Mit Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" kommt die wohl bekannteste Eheschlacht der Theatergeschichte auf die Aachener Bühne.

Regisseur Michael Helle und Dramaturgin Inge Zeppenfeld sind sicher, dass bei diesem Theater-Feuerwerk ­glühendheiße Funken sprühen werden. Alles beginnt verhältnismäßig harmlos: Martha (Katja Zinsmeister), Tochter des College-Präsidenten, und ihr Mann George (Jonas Eckert), Uniprofessor, laden nach einer Party beim College-Präsidenten, Marthas Vater, ein junges Pärchen zu sich nach Hause ein, um den Abend an der wohlgefüllten Bar daheim fortzusetzen. Was Nick (Simon Rußig), ein junger Professor und seine Frau (Luana Bellinghausen) nicht ahnen: Das wird ein Abend, dessen explosive Sprengkraft sie so schnell nicht vergessen werden.

Zwar weicht „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ thematisch ein wenig vom Motto der Spielzeit ab, aber dieser „Klassiker der Moderne“ gehört, so Chefdramaturgin Inge Zeppenfeld, einfach immer wieder auf die Bühne, „weil er absolut zeitlos gültig ist“. Und zwar auf die große Bühne des Theater Aachen.

„Es ist ein Exorzismus in Fragen Beziehung“, beschreibt Michael Helle, der zuletzt gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildner Achim Römer „Alle meine Söhne“ inszenierte, den „Ehe-Kampf“, oder besser die „Kampf-Ehe“ zwischen Martha und George, die seit über 55 Jahren das Publikum begeistert. Kampfgeist Mit bewusster psychischer Verletzung und gleichzeitig mit  dem Wissen und einer gewissen Genugtuung darüber, dass von der anderen Seite wiederum gnadenlos zurückgeschlagen wird, feindet sich das ältere ­Pärchen an. Provozierend, demütigend, zynisch, hinterhältig, zärtlich, zerstörerisch. Dieses Spiel scheint  beiden zu gefallen, ja es hält ihre Ehe am Leben. „Die beiden sind die bestmöglichen Boxpartner. Sie treiben sich ans Limit, aber es gibt immer noch ein ­nächstes Level,“ versucht Helle die Partnerschaft zu beschreiben.

Dabei ist das Wort eine Waffe unter vielen. Mit erstaunlicher Treffsicherheit. Das junge Pärchen hat dagegen ein vollkommen anderes Verhältnis zueinander. Es steht am Anfang der Beziehung und erfährt durch den Streit einiges über sich selber. „Die Jungen würden eine angepasste Ehe führen, so wie die Gesellschaft sie gerne hätte. Karriere, Kinder, Fassade bewahren.“

Der Streit, den sie erleben, ja deren Spielball sie sogar werden, bringt ihre Fassade jedoch zum Bröckeln. Sie sind entsetzt, können sich dem aber durch die geschickte Manipulation im Spiel der beiden anderen nicht entziehen. Irgendwann brechen die Dämme. „Nicht zuletzt ist der Alkohol mitschuldig. Der Schnaps gibt ihnen Energie.“ Lügenspiel „Ich empfehle dem Zuschauer nicht zu schnell über eine der Personen zu urteilen,“ rät Helle. „Man muss sich ständig fragen: Was stimmt hier und was stimmt nicht. Wer lügt, sagt die Wahrheit oder manipuliert.“ George hat eine ungeheuerliche Intelligenz, Martha ist die Direktheit in Person. Vielleicht ist sie lauter.

Aber mit seiner Intelligenz kann er sie unterwandern. Dabei darf man nicht denken, dass es sich hier um eine mehrstündige seelische Tortur handelt, der man kaum zusehen kann. Das Stück ist witzig, erschreckend, böse und irre komisch. Zeppenfeld beschreibt das so: „Es ist tatsächlich ein lustvoller Kampf, den das Paar mit einer unglaublichen Energie und einer sehr schwarzhumorigen Intelligenz austrägt. Da stehen wirkliche Kaliber, wahre Könner im Ring!“

Fakt ist, das Stück hat keine Moral, entlässt das Publikum mit keiner Lösung. Es wird ein kurzweiliger Abend werden; und schon nach einer kurzen Aufwärmphase geht das versprochene Feuerwerk los. Nur, was mit den beiden Paaren passiert, weiß man nicht. Die Geschichte muss von Ihnen zu Ende gedacht werden. \

12., 19. + 25.5.
„Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“
19.30 Uhr, Bühne, Theater Aachen

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