Acht Musiker von vier Kontinenten. Die Formation Bokanté stellt die Welt auf den Kopf.

Von Richard Mariaux

Eine Sängerin, vier Gitarristen, drei Percussionisten. Die Band Bokanté um den Grammy-Gewinner Michael League ist nicht nur besetzungstechnisch ungewöhnlich. Unser Geheimtipp für die diesjährige Konzertsaison auf Burg ­Wilhelmstein.

Köln. Anfang Juni. Michael League spielt mit dem Fusion-Jazz-Kollektiv Snarky Puppy ein mit 1.900 Besuchern ausverkauftes Konzert im E-Werk auf der Kölner schäl Sick. Eines wird der Bandgründer, Leader und Bassist an dem Abend nicht vergessen – die Ankündigung seines neuen Projektes Bokanté am 12.?Juli auf Burg Wilhelmstein, das einzige Deutschlandkonzert am Folgetag nach einem Gig auf den Jazz Open in Stuttgart.

League gründete das Musikerkollektiv Snarky Puppy 2004. Zur Gruppe gehören circa 40 wechselnde Mitglieder, League hält hier neben seiner Arbeit am Bass vor allem als Komponist und Arrangeur die Fäden in der Hand. 2014 wurden Snarky Puppy für einen Grammy als beste R&B Performance nominiert, 2016 gewannen sie ihn zusammen mit dem niederländischen Metropole Orkest für das beste zeitgenössische Instrumentalbum „Sylva“ und 2017 erging die Auszeichnung für das folgende Album­ ­„Culcha Vulcha“. Trotzdem findet League genügend Zeit sich seinem neuesten Steckenpferd zu widmen.

Bokanté, deren erstes Album „Strange Circles“ gerade erschienen ist, verlässt mit seiner Musik ein großes Stück weit den Jazz und legt mit seiner achtköpfigen Besetzung einen schönen neuen Klangteppich aus kreolischer, karibischer, afrikanischer Folklore, gepaart mit rauhen Blues- und Rockgitarren, die wiederum eine lässig-groovende Abfederung durch die Arbeit von direkt drei Percussionisten erfahren.  Über allem thront die Stimme von Malika Tirolien, geboren auf der karibischen Insel Guadeloupe und heute im kanadischen Montreal lebend, singt wechselnd in den Sprachen französisch und kreolisch. 

League entdeckte die Sängerin in einer der Hauptrollen in der Produktion „La Nouba“ vom Cirque Du Soleil.  Bokanté steht in der kreolischen Sprache für „Austausch“, die acht Musiker stammen von vier verschiedenen Kontinenten und dieser Austausch bezieht sich unter anderem auch auf die Botschaften, die Bokanté mit ihrem Sound so lässig vorträgt: Songs über Rassismus, Flüchtlingskrisen und Apathie gegen menschliches Leiden. Michael League, der einen Teil der Songs skizzierte, rumschickte, von Mitmusikern ergänzen ließ, um ihnen schließlich den Feinschliff der Lyrics von Malika Tirolien zu geben, erklärt es folgendermaßen: „Die Einheit war bei der Gründung dieser Gruppe von größter Bedeutung.

Obwohl das Ensemble mehrsprachig, multikulturell und generationsübergreifend ist, fühlen wir uns alle als Musiker und Menschen verbunden.“ Die Gruppe hat nicht nur diesen multi-­kulturellen Background, sondern beweist auch im Einzelfach ihr individuelle Könnerschaft. Neben League spielen Chris McQueen und Bob Lanzetti (beide Gitarre) auch bei Snarky Puppy, Percussionist Jamey Haddad tourte in den Bands von Paul Simon und Sting, ein Virtuose an der Pedal und Lap Steel Gitarre ist Roosevelt Collier (u.a. Karl Denson) André Ferrari kommt von der schwedischen Folkband Väsen und ein ebenfalls vorzüglicher Mann hinter den Trommeln ist Keita Ogawa, der auch die Formation des Klassik-­Cellisten Yo-Yo Ma verstärkte. 

Im Juli sind Bokanté in Europa gebucht. Vom klassischen „North Sea Jazz Festival“ in Rotterdam, dem italienischen „Fano Jazz by the sea“, dem alternativen „Womad Festival“ und „Cambridge Folk“ in England zu weiteren Festivalauftritten in Frankreich, Spanien und der Türkei geht es dann Anfang August zurück in die  Staaten zum nicht minder legendären „Newport Festival“ im US-Bundestaat Rhode Island.  \

12.7.
Bokanté
20 Uhr, Burg Wilhelmstein, Würselen

Tickets gibt es bei KlenkesTicket im Kapuziner Karree