„Die Architektur des Knotens“ – besprochen von Martin Schwoll

Ein Kinderzimmer. Zwei Jungs bauen, ausdauernd und detailverliebt, eine Stadt, die ihrer Sicht auf die Realität entspricht. Die sie auch bauen, um sie direkt wieder zerstören zu können. Voller Lust und Inbrunst sowohl an dem Einen als auch an dem Anderen. Yvonne, die Mutter schaut zu, hin und hergerissen zwischen Wirklichkeit und Wunsch, zwischen gesellschaftlicher Normierung und der Sehnsucht nach dem Ausbruch. Jonas, der Vater, ist genervt, versteht weder die Welt noch die Gefühlslage seiner Frau.

So beginnt der tiefgründige Roman über ein nach außen hin harmonisches und glückliches Familienleben. Über Brüche, Selbstzweifel und das zunehmende ‚sich nicht verstanden fühlen’. Über das Gefühl, in eine Kiste gesperrt zu sein. Über den Versuch, einerseits sich selbst wieder zu finden und andererseits im Austausch zu bleiben, eine gemeinsame Zukunft möglich zu machen. Ein Buch, das einiges abverlangt.

Jeder Satz kann aus der Kurve tragen, unhandliche und widersprüchliche Gefühle und Gedanken erzeugen. Ein Buch aber auch, das Mut macht, das auffordert, die ganze Widersprüchlichkeit unseres Lebens zuzulassen: „Diese ganze Unordnung fühlt sich auf schmerzhafte Weise auch richtig an. Nicht gut. Nur richtig.“ \

14.6.
Lesung Julia Jessen – „Die Architektur des Knotens“
19.30 Uhr, Buchhandlung Backhaus, Jakobstraße