"Die Poesie des Fußballs" – so der Titel einer Anthologie, die mit kurzweiligen Texten einen Blick auf Sprachgebrauch und -wandel zwischen Fanblock und Kommentatorplatz wirft. Mit an Bord sind auch drei Aachener Autoren.

„Abwehrschlacht“, „Brechstange“ und „Kopfballungeheuer“ – manch neutralem Leser mag bei solcherlei Worten sicher nicht der Sammelbegriff „Poesie“ in den Sinn kommen. Und doch vereinen die beiden Herausgeber Stefan Krankenhagen und Heiko Rothenspieler 30 Autorinnen und Autoren, die der „Poesie des Fußballs“ nachspüren und im selben Spielzug die oft glattgebügelte Rhetorik von Journalisten, Trainern und Profis aufbrechen.

Da begibt sich etwa Reporterlegende Manni Breuckmann auf die Suche nach den sakralen Zügen des „Flankengotts“; der Bochumer Autor Frank Goosen hingegen fragt sich, weshalb er unbedingt Fan einer „Fahrstuhlmannschaft“ werden musste.

Und auch wenn man in Aachen seit längerer Zeit nicht mehr allzu gern über Fußball spricht, haben sich drei Autoren aus unseren Breitengraden im 236 Seiten starken Werk verewigt: Marvin Bergs etwa spielt den „Tödlichen Pass“, Jan Mönch weiß, wann ein Tor zum „Psychologisch ungünstigen Zeitpunkt“ fällt (kurz vor oder nach der Halbzeit, verdammt!) und Norbert Windeck schwärmt vom Augenblick, wenn aus dem technisch versierten Mittelfeld das Zuspiel zum abschließenden Passnehmer erfolgt: „Die Schnittstelle, kaum ist sie da, ist sie auch schon wieder weg! Wurmloch auf, Ball rein, Weltveränderung.“ Wer in all dieser Dramatik nichts Poetisches findet, hat den Fußball nie geliebt.

„Die Poesie des Fußballs“
Stefan Krankenhagen, Heiko Rothenspieler (Hg.)
Blumenbar 2018
236 Seiten, 20 Euro