Ewa Teilmans inszeniert Friedrich Schillers „Die Räuber“ mit einer Verknüpfung aus Musiktheater und Kammerspiel.

Ein ­Wagnis, das leider nicht durchschlagend genug ist. Karl und Franz sind zwei sehr unterschiedliche Brüder. Der eine in der Gunst des Vaters, der andere sehnt sich nach dieser.

Der eine mordet, der andere musiziert. Karl, sich wähnend, vom Vater verstoßen worden zu sein, zieht meuternd als Hauptmann einer Räuberbande durch die Wälder, sieht sich dabei aber eher als eine Art Robin Hood. Franz, lechzend nach der Liebe des Vaters, intrigiert und treibt Karl damit immer weiter in die Fänge der Unterwelt.

Intim und räuberisch
Die Unterschiede zwischen den beiden Brüdern werden in der Inszenierung von Ewa Teilmans besonders deutlich: Jeder spielt sein eigenes Spiel. In den Szenen von Franz, die stets im Schloss spielen und meist in Interaktion mit dem Vater oder Amalia – mit den beiden Brüdern aufgewachsen, von Franz verehrt, in Karl verliebt – stattfinden, mutet das Spiel fast kammerähnlich an. Reduziertes Bühnenbild, wenige Personen, viel Redetext und keine bis wenig direkte Handlung auf der Bühne.

Im deutlichen Gegensatz dazu stehen die Szenen im Wald, in denen sich alles um Karl und seine Männer dreht. Mit viel Brachialität und Ausdrucksstärke bringen hier nicht nur die Schauspieler, sondern vor allem die Musiker der Band Katortz, die Anomalie zwischen den Brüdern auf die Bühne. Katortz bringen ihren Rock-Sound mit, wodurch die Räuber-Sequenzen eher dem Musiktheater zugehörig scheinen.

Die Musiker (Karsten Nordhausen, Toshi Trebess und Stefan Schwartz) meistern ihre ersten Theaterrollen gut – denn schließlich fungieren sie nicht nur als Hintergrundkapelle, sondern auch als drei weitere Räuber aus Karls ­Bande. So vielversprechend der Einsatz der Band als kraftgebendes und krafterzeugendes Stilmittel auch scheinen mag – so richtig geht der Plan nicht auf.

Die Musikszenen sind verhältnismäßig kurz geraten, die aufgebaute Dynamik kommt zu schnell wieder abhanden. Hinzu kommt, dass die Räuberbande, trotz vieler Köpfe, relativ charakter- und ausdruckslos bleibt. Selbst Philipp Manuel Rothkopf – sonst ein Garant für ausdrucksstarke Hauptrollen – bleibt in der Rolle des Karl verhältnismäßig blass.

Stark dagegen die Darstellung von Alexander Wanat als Franz. Nicht nur durch die Frisur, auch spielerisch an Lars Eidinger und damit einen der derzeit besten Charakterschauspieler Deutschlands erinnernd. Wohin man nach der Vorstellung auch schaut: müde Gesichter. Den Applaus konnten diese aber dennoch nicht schmälern. Nächstes Mal vielleicht weniger Länge, dafür noch mehr Mut zum Wagnis. Und ein bisschen mehr Wumms.  \cr

4.+27.5.
„Die Räuber“
20 Uhr / 18 Uhr, Bühne, Theater Aachen

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