Was macht das Menschliche aus? "mensch maschine" in der Kammer geht dieser Frage auf den Grund und sucht nach Anhaltspunkten für unsere Realität.

Völlig absurde Zufälle, scheinbar übernatürliche Begegnungen und Situationen, die sonst nur im Traum passieren. Das Déjà-vu, welches den Fans von Neo, Trinity und Co. als „Fehler in der Matrix“ bekannt ist, wird von uns Normalos (so wie alle anderen merkwürdige Momente) als völlig „normal“ angesehen – vielleicht als seltsam, aber doch irgendwie normal. Hauptcharakter „Er“ aus dem neuen Stück „mensch maschine“, aufgeführt in der Kammer des Theater Aachen, merkt jedoch schnell: „Hier stimmt etwas nicht!“

Und da soll er Recht behalten. Denn er ist Teil eines neuartigen Experimentes geworden, eines Experiments, von dem man nur hoffen kann, dass es nie real wird: Betrunken gibt er die Einwilligung, sein Gehirn in einen Computer zu laden, der anschließend alle Eindrücke, Orte oder Treffen simulieren wird. Dabei war ihm wohl nicht klar, wie ernst das Experiment ist – es gibt kein Zurück, denn tatsächlich wird das Gehirn während einer heiklen und Gänsehaut erregenden Operation entnommen, der Körper ‚entfernt‘ und das losgelöste Organ in einen Tank verfrachtet. Hier startet das eigentliche Experiment: Kann es gelingen, dem Hirn mit elektrischen Impulsen vorzuspielen, es sei noch Teil eines gesunden Organismus?

Bin ich im falschen Film?
Herausfinden wollen dies vier Wissenschaftler, die in geheimer Mission und daher nur mit Decknamen agieren. Doch Zeitmangel und der Druck der potenziellen Geldgeber bringen Programmierfehler hervor, was den Probanden nach kurzer Zeit stutzen lässt. Denn der Kaffee schmeckt „überall gleich scheiße“, andere Menschen wirken hölzern und plötzlich steht dreimal das gleiche Buch im Regal – da läuft definitiv etwas schief! 

Das Gehirn scheint sich nicht täuschen zu lassen, bestimmte Emotionen kann eine Maschine wohl nicht überzeugend darstellen – oder doch? Ist damit bewiesen, dass menschliche Gefühle nicht von einem Computer nachgestellt werden können? Die Antwort gibt es noch bis Mitte Juli im Theater zu sehen. Dabei ist die Idee der Technisierung eines Menschen nicht neu.

Die Vorstellung, dass wir alle nur Gehirne im Tank sind, ist schon lange in der Philosophie bekannt und zahlreiche Spielfilme wie beispielsweise Matrix (1999) oder Transcendence (2014) setzen sich mit der Möglichkeit auseinander, dass wir eben doch nicht so selbstbestimmt sind, wie wir glauben. Doch macht es Spaß, die Vorstellung auf einer Bühne umgesetzt zu sehen. Ohne CGI-Animationen und übertriebene Special-Effects, aber mit ausgefeilter Bühnentechnik, Videoprojektion und Lightshow.

Insbesondere das Zusammenspiel der Wissenschaftler (Torsten Born, Tim Knapper, Rainer Krause und Ognjen Koldzic) macht den Theater-­Abend lebendig und witzig – doch verlässt man das Haus dennoch mit einem mulmigen Gefühl. Denn was, wenn das alles stimmt?  \ sim

2., 5., 8., 17., 22.+28.6.
„mensch maschine“ 20 Uhr, Kammer, Theater Aachen

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