Annette Schmidt inszeniert "Yann und Beatrix" im Tuchwerk für das Theater K.

Fast mutet es an wie im Foyer Rouge. Um eine improvisierte Bühne, die mit grauen Tüchern verdeckt ist, stehen im Halbkreis Stühle und Tische. Auf den Bistrotischen flackern Kerzen und warten Bierflaschen und Weingläser auf ihre Leerung. Das Licht ist gedämpft, an der Theke stehen noch die letzten Besucher für ihr Getränk an und an den Tischen wird noch fleißig getuschelt und auf das geharrt, was da kommen mag. Es ist Premierenabend im Tuchwerk. Das Theater K zeigt „Yann und Beatrix“ nach Carole Fréchette in einer Inszenierung von Annette Schmidt.

Das moderne Märchen begeistert durch Gefühlsintensität und starkes Schauspiel und verwirrt durch radikale Brüche in der Handlung. Aber der Reihe nach. Um die anfängliche leicht schummrige, etwas kneipige Stimmung noch zu untermalen, erklingt Hildegard Knefs Stimme durch die Lautsprecher und man hört ihren Song „Im 80. Stock“. Zu den Klängen bewegt sich auf der achteckigen Bühne, die ein wenig wie ein Käfig aussieht, hinter grauen Vorhängen eine junge Frau, die Diabilder von Männern an die Wand wirft. Da ist sie: Beatrix. Reich, schön, jung und unglücklich. Sie lebt – zwar nicht im 80., aber – im 33. Stockwerk eines ansonsten leerstehenden Hochhauses mit Blick auf eine Straße, die auch ihr gehört und ist doch so unerfüllt in ihren Wünschen, dass sie mit Hilfe einer großflächigen Plakatierung in der gesamten Stadt auf der Suche nach dem Mann fürs Leben ist. Und es darf nicht irgendein Mann sein. Er muss ergreifen, berühren und verführen. Und da sie in ihrem Leben schon so viele Enttäuschungen erlebt hat, hat sie sich gleich drei Prüfungen ausgedacht, die bisher noch kein Mann bestanden hat. Damit sie ihre zahlreichen Bewerber nicht durcheinander bringt, nimmt sie mit Hilfe ihres Smartphones alle potentiellen Bewerber auf. Yann ist Kandidat Nummer 11 und als gelernter Prämienjäger interessiert ihn vor allem eins: Die hohe Belohnung, wenn er die drei Prüfungen besteht. Und dafür schreckt er so leicht vor nichts zurück. Um Beatrix an seine Lippen zu fesseln, erzählt er eine wahre Horrorstory mit ihr in der Hauptrolle, um ihr Gesicht mit Tränen zu benetzen, packt er erst eine triefige Schnulze und dann eine Flasche Wasser aus und um sie zu verführen, zieht er nicht nur ein Register.

Sehen kann das der Zuschauer das Ganze zum Glück völlig unverschleiert, denn die grauen Vorhänge wurden von einem Erzähler, der immer mal wieder in die Geschichte eingreift und das Publikum zum Klatschen, Tanzen und Mitmachen animiert, heruntergerissen. Die beiden jungen Schauspieler Svenja Triesch und Marvin Moe liefern sich in gut zwei Stunden einen verbalen Schlagabtausch nach dem nächsten, rennen und klettern über die Bühne und bespritzen sich mit Wasser. So sieht es offenbar aus, wenn der eine etwas sucht, was er nicht kennt und der andere ihm versucht etwas zu zeigen, was er selbst nicht fühlt. Und so steuert das junge Pärchen in einen Kampf zwischen Anziehung und Abneigung, Faszination und Verführung, Liebe und Hass.  \    kw

2., 7. (17 Uhr) und 14.9.
„Yann und Beatrix“
20 Uhr, Theater K im Tuchwerk