Drei Empfehlungen vorab für das diesjährige Sommerprogramm auf Burg Wilhelmstein.

Von Richard Mariaux

Wer an dem Besuch des Joe Jackson-Konzertes im Juni interessiert ist, sollte nun stark sein: Alle Tickets sind bereits ausverkauft. Mindestens ein Augenmerk wert sind aber auch die im August stattfindenden Konzerte des ­Brasilianers Ed Motta sowie der Jazz- und Blues-Chanteuse China Moses.

Ed Motta wird von klein auf in seiner Familie mit Samba- und Bossa-Nova-Rhythmen begleitet. Aber auch diverse Soulplatten landen bei den weitverzweigten Mottas gerne auf den Plattentellern. Der junge Ed entdeckt allerdings erst einmal den britischen Hardrock für sich: Led Zeppelin, Free, Thin Lizzy oder Humble Pie zählen zu seinen absoluten Lieblingen.

Heute ist der 1971 geborene Ed Motta ein Grammy-notierter Sänger und Songwriter, respektvoll nennt man ihn in seiner Heimat den „Koloss von Rio“, zum musikalischen Pfund wuchert Motta auch mit seinem Leibesgewicht. Motta, der eine Plattensammlung von 30.000 Exemplaren besitzt, setzt in seiner Musik auf urbane brasilianische Sounds, die er in tollen Arrangements mit Soul, Jazz, Blues- und Rockmusik zusammenmixt und die in ihrer ausgefuchsten Komplexität auch manchmal an Steely Dan erinnern. Und seine Kooperationen brachten ihn mit unterschiedlichen Kollegen wie Roy Ayers, Bo Diddley, 4Hero oder Ryuichi Sakamoto zusammen. Auch als Kurator der Yacht Rock-Reihe „Too Slow zu Disco“ trat er im letzten Jahr in Erscheinung. Nicht umsonst enthält seine Musik auch diverse Referenzen an Künstler wie Fleetwood Mac, Boz Scaggs oder Hall & Oates – die geschmeidige Soundfülle von AOR-Musik ist neben den Heimatklängen auf jeden Fall seins.

Stimm- und stilversiert: China Moses
Auch China Moses wurde die Musik in die Wiege gelegt. Als Tochter der Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater wuchs die in Los Angeles geborene und heute in Paris lebende Sängerin als stimm- und stilversierte Entertainerin auf. China Moses brilliert auch als Autorin, Produzentin und Moderatorin (einer franösischen TV-Sendung). Ihr Repertoire umfasst Jazz, Blues, Swing und Rhythm & Blues. Ihr Tribute-Album an die große Dinah Washington („This One‘s For Dinah“, 2009) war eine Riesenerfolg und im Zugabenteil findet bisweilen auch ein „Move Over“ von Janis Joplin Platz. Unterstützt von einer fünfköpfigen Band aus London, mit Luigi Grasso an Alt- und Baritonsaxofon, Pianist Joe Armon Jones, Luke Wynter am Bass sowie Marijus Aleksa am Schlagzeug, zeigt Moses sich als große Performerin und Sängerin, die ihren Musikern selbstverständlich genügend Freiräume zu solistischen Improvisationen lässt.

Alles erreicht: Joe Jackson
Mit rund 25 Alben seit 1979 hat sich der britische Sänger und Pianist Joe Jackson genügende Meriten erarbeitet. Sei es mit den frühen Alben „Look Sharp“, „I‘m The Man“ oder „Beat Crazy“ als schnoddriger New Wave-Artist, dem damaligen Elvis Costello nicht ganz entfernt („Is She Really Going Out With Him?“), über die folgende, gänzlich alle überraschende Swing-Platte „Jumpin‘ Jive“ mit Coverversionen klassischer Swing- und Jump-Blues-Songs der 40er-Jahre und die danach wieder den musikalischen Schwerpunkt komplett drehende New York-Trilogie „Night & Day“, „Body & Soul“ und „Big World“. Jackson komponierte klassische Weltmusik zwischen Burt Bacharach und Südamerika, Streicher- und Orchesterarrangements inbegriffen. „Steppin’ Out“ (vom Album „Night & Day“) wurde ein veritabler Radiohit, auch „Happy Ending“ im Duett mit Sängerin Elaine Caswell, gelangte ein Singlehit. Der Mann geriet mehr und mehr zu einem musikalischen Chamäleon.

Innerhalb von 40 Jahren hat Joe Jackson quasi alles erreicht. In den 90er-Jahren schrieb er ein Album mit klassischer Musik („Symphony No. 1“), für das er einen Grammy erhielt, schrieb eine Autobiografie, zog nach Berlin und holte sich mit Graham Maby (Bass) und Dave Houghton (Schlagzeug) auch wieder die Mitstreiter seiner ersten Karrierephase zurück.

Joe Jackson zur „Four Decade Tour“: „Wir werden uns auf fünf Alben konzentrieren, die je für ein Jahrzehnt stehen: „Look Sharp“ (1979), „Night and Day“ (1982), „Laughter and Lust“ (1991), „Rain“ (2008) und „Fool“ (2019). Dazu gemischt werden einige andere Songs und neue Coversongs.“  \

Burg Termine
25.6.
Joe Jackson & Band: „Four Decade Tour“
Sein Album „Fool“ wurde Anfang des Jahres veröffentlicht.
20 Uhr

10.8.
Ed Motta:
Sein aktuelles Album „Criterion of the Senses“ ist im September 2018 erschienen.
20 Uhr

31.8.
China Moses:
Ihr letztes Album „Nightintales“ stammt von 2017.
20 Uhr \