Wenn der KLENKES und THALYS sich zusammentun, dann freuen sich die Leser – in dem Fall über eine Lüttichreise: Am 23.6.2018 fuhren neun glückliche Gewinner/innen (einer musste krankheitsbedingt leider zuhause bleiben) an Gleis 9 des Aachener Hauptbahnhofs mit dem THALYS gen Lüttich. Hier einige Eindrücke vom Kurzurlaub an der Maas ...


Start: Gleis 9

Das muss der Vorführeffekt gewesen sein … der THALYS kam am Samstagmorgen mit Verspätung am Aachener Hauptbahnhof an, normalerweise fährt der rote Schnellzug um Punkt 9.23 Uhr ab Gleis 9 in Richtung Paris weiter, dieses Mal forderten die Baustellen rund um Aachen auch auf den Schienen ihren Tribut.
THALYS-Repräsentant Christian Hildebrand und KLENKES-Redakteurin Belinda Petri nutzten die Zeit für eine kleine Vorstellungsrunde und die Einstimmung auf den Ausflug: Nach nur 22 Minuten Fahrtzeit in der komfortablen 1. Klasse – mit Kaffee und Tee sowie einem kleinen Croissant, von charmanten, mehrsprachigen Stewardessen und Stewards serviert, fuhr der THALYS in den eindrucksvollen Bahnhof Guillemins ein.

Der im September 2009 in Betrieb genommene Bahnhof aus Stahl, Glas und weißem Beton ist ein Knotenpunkt im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz und im Regionalverkehr der NGBE (SNCB/NMBS), rund 500 Züge fahren hier täglich ein. Der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava sorgte mit seinem amorphen Entwurf aus rund 10.000 Tonnen Stahl für ein aufsehenerregendes Bauwerk, das die Modernisierung Lüttichs einleitete.

Viele Besucher, auch zahlreiche Aachener, kennen Lüttich als schmuddelige Industriestadt aus den 1980er Jahren, damals galt die wallonische Stadt als Bronx von Belgien. Seitdem hat sich aber viel getan: Es wurde kräftig investiert, geplant und gebaut – mit dem Ergebnis, dass Lüttich inzwischen eine hippe, urbane Großstadt ist, oder wie unsere Fotografin neulich sagte: „Lüttich ist das neue Berlin!“.

Masterplan der Modernisierung

Nach der Weltausstellung 1905 bringt sich Lüttich wieder auf die große Karte zurück: Der Masterplan begann mit dem beeindruckenden Bahnhof Guillemins, über die neue Maasbrücke gelangt man von der Rue de Guillemins bzw. Rue Paradies zum Parc de la Boverie mit dem neuen Vorzeigeobjekt, dem Musée La Boverie (> im KLENKES gibt es eine Besprechung der aktuellen Ausstellungen „Fernand Flausch“ und „Viva Roma!“ im Musée La Boverie). Nicht nur, dass sich die Bahnhofsgegend erfreulich positiv entwickelt und eine vielfältige Gastro- und Feinkost-Auswahl bietet, darunter das „Restaurant Frédéric Maquin“, ein Fischgeschäft und ein gut sortierter Käseladen, auch das Museum verfügt mit „Madame Boverie“ über ein hübsches Café mit Terrasse.

 

Allez les Diables

Dass der Samstag der zweite Spieltag des belgischen Teams bei der Fussball-WM war, erkannte man spätestens daran, dass die Busse ein mutmachendes „Allez les diables“ auf ihrer LED-Anzeige laufen liessen – alle (!) Busse wohlgemerkt, hier ist die Unterstützung der „Roten Teufel“ kollektive Ehrensache. Es hat offenbar gewirkt, denn die Devils gewinnen die Partie gegen Tunesien mit 5:2, woraufhin der begeisterte Autokorso laut hupend durch die Innenstadt fährt und wahrscheinlich bis tief in die Nacht gefeiert wird.

 

Museum und Postkartenidylle

Am neuen Maison du Tourisme erwartet uns Lydia, die deutschsprachige Stadtführerin von Visitez Liège. Sie nimmt unsere Gruppe für die nächsten zwei Stunden mit auf eine spannende Tour durch die Altstadt (Coeur historique), bei der sie jede Menge historischer Fakten, aber auch aktuelle Entwicklungen vermittelt. Vom Musée Grand Curtius, das auf jeden Fall einen Besuch lohnt, geht es weiter zu Féronstrée.

Weiter geht es dann über die Rue Hors Château. Die KLENKES-Leser/innen – übrigens sind zwei extra aus Düsseldorf angereist – staunen im „Impasse de l’Ange“, der sich als idyllisches Postkartenmotiv samt fotogener Katze erweist.

 

Belgisches Bier und Waffeln

Die Straße führt weiter zur „Montagne de Bueren“: über die 374 Stufen der 1881 erbauten Treppe geht es hoch zur Zitadelle. Wer sich nicht sportlich betätigen möchte, biegt am Fuße der Treppe ab zur „Brasserie C„. Die Mikrobrauerei Curtius betreibt hier in einem ehemaligen Klostergebäude ein Café mit Terrasse, in dem man nicht nur die verschiedenen Biere verkosten kann, sondern auch Kleinigkeiten essen kann. Absolut empfehlenswert!

Von der Brasserie C aus gelangt man auch zu den Terrassen des „Impasse des Ursulines“, der einen fantastischen Blick über die Stadt bietet und als urbaner Garten genutzt wird. Hier zeigt sich Lüttich gleichermaßen romantisch wie großstädtisch, ein echter Geheimtipp!

Entlang des imposanten Gebäudes des ehemaligen Erzbischöflichen Palastes geht es zum Markt, hier reihen sich Cafés und Restaurants wie Perlen an der Schnur, vom Traditionslokal mit originalen „Boulet à la liègeoise“ bis zur modernen Burgerbar. Angelockt vom herrlichen Duft gelangt man auch zu „Une Gaufrette Saperlipopette“ in der Rue des Mineurs, hier lohnt das Anstehen in der Schlange auf jeden Fall, mmmmh … wirklich köstlich!

Am Markt liegt auch das Rathaus, dessen eigentliche Schauseite zur Rue de la Violette liegt, wo die Buchhandlung „Toutes Directions“ die passende Lektüre für Reise- und Kochfans bietet. Gleich nebenan liegen das Café und der Shop von „Beerlovers„, auch eine absolut empfehlenswerte Adresse: rund 250 Biere auf der Karte und eine Auswahl von rund 750 Bieren im Laden!

Über die Rue Souverain Port gelangt unsere Gruppe zu „Ma Ferme en ville„, dem Bauernhof in der Stadt, einem kleinen Laden mit Café, in dem ausschliesslich regionale Produkte verarbeitet und verkauft werden. Hier findet gerade das Festival „VertDure Pic Nic Citadin“ statt, beim innerstädtischen Picknick mit Rollrasen vor der Tür wird uns eine formidable Auswahl an Wurst und Käse, köstlichen Quiches und Salaten sowie grandiosen Desserts zum Lunch serviert. Alle sitzen an einer großen Tafel, es dauert nicht lange und wir probieren über Kreuz – wie beim Picknick eben.

Die anschliessende „Zeit zu Zweit“ nutzen die KLENKES-Leser/innen unterschiedlich: zum Shoppen (beispielsweise bietet „Wattitude“ eine große Auswahl an „Food, fashion & Design – Made in Wallonia“) oder Kaffee – oder Bier – trinken … in den Straßen der Altstadt bieten sich unzählige Möglichkeiten, das neue, das moderne Lüttich zu entdecken. Im Shop „REstore“ werden ausgefallende Designstücke aus recyceltem Material angeboten. Und auch hier steht ein Fernseher im Fenster, ein paar Stühle vor der Tür, wo sich im Laufe des Nachmittags einige Lütticher zum Spiel ihrer Mannschaft versammeln werden. Einfach so, Public viewing auf belgische Art …

Treffpunkt Guillemins

Um kurz vor 18 Uhr traf sich die KLENKES-Gruppe wieder am Eingang des Bahnhofs Guillemins, die meisten mit schweren Einkaufstüten beladen, denn einem kleinen Souvenir in Form von Schokolade oder einem belgischen Bier konnte kaum jemand widerstehen. Wieso auch?
Das Fazit der KLENKES-Gewinner/innen: Lüttich ist super und auf jeden Fall einen Besuch wert – und die Fahrt mit dem THALYS ist super bequem, vor allem wenn man das ein oder andere belgische Bierchen probieren möchte und nicht mit dem Auto fährt …

Weitere Tipps zu Cafés, Bistros und Restaurants finden sich im neuen GastroGuide Euregio und natürlich > online.

// Belinda Petri