Neu zugezogene und ansässige Eilendorferinnen und Eilendorfer an einen Tisch zusammenbringen, sich kennenernen, austauschen und persönliche Geschichten teilen: Das ist die Idee von "Eilendorf kocht…". Klenkes-Autorin Belinda Petri hat sich am Ende Januar dort umgeschaut - und gleich mitgeschnibbelt.

Kochprojekt

Um 14.45 Uhr ist es noch ruhig in der Birkstraße 8, ein paar Jugendliche stehen vor der Tür und starren auf ihre Smartphones. Am Eingang der OT begrüßt uns Quartiersmanager Michael Grein. Bei ihm haben wir uns angemeldet, um das Kochprojekt kennzulernen, nun nutzt er die Ruhe vor dem Sturm und führt uns fix durch die Räume der OT, stellt uns die anderen Helfern vor, die, in schicken Kochschürzen und T-Shirts mit „Eilendorf kocht“- oder „join!“-Logo gekleidet, die verschiedenen Kochstationen vorbereiten. Oben im Café ist die „Schnibbelecke“: hier schälen, schneiden und hacken an zwei großen Tischen ein gutes Dutzend Leute – junge Mädchen mit Kopftuch, gestandene Frauen mit aufgekrempelten Ärmeln und einige Jungs und Männer – Gurken, Tomaten, Petersilie und anderes Gemüse, am dritten Tisch wird die Nachspeise zubereitet.

Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie und Tomaten

Schnell noch ein paar Instruktionen an die Fotografin, dann sitze ich auch schon mit sechs  anderen Frauen an einem Tisch und schäle Knoblauch, geschätzte zwei Kilo – jedenfalls ein Vielfaches meines Jahresverbrauchs. Wie am Fließband werden Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie und Tomaten geschnitten, in große Schüsseln gegeben. Bevor der Teig für die Lahmacun-Fladen aufgeteilt wird, schaue ich noch kurz bei den anderen Stationen vorbei: Während die „Salat-Straße“ schon aufgeräumt wird, wird in der Küche im Erdgeschoss das Gebäck mit Zuckersirup übergossen und in den Ofen geschoben. Ülkü Kalkan, die „große Schwester“ von Pelin Yigit, hat hier alles im Griff. Die Sozialarbeiterin Pelin Yigit gehört zum Verein „Türöffner“ und ist für das Projekt „join!“ verantwortlich – die Idee klingt ganz einfach: Familien im Stadtteil in Kontakt bringen durch gemeinsames Spielen, Essen und Gespräche. Das klappt bei „Eilendorf kocht…“ ganz hervorragend: Michael Grein sagt, dass es 95 Anmeldungen gab, so dass man allmählich – allein räumlich – an die Grenzen stosse.

Landestypische Gerichte

Bei „Eilendorf kocht…“ steht bei jedem Treffen eine andere Region mit ihren landestypischen Gerichten im Fokus: Dieses Mal wird türkisch gekocht, die Familie Kanak hat die Kochrezepte zusammengestellt. In der „Lahmacun-Fabrik“ wird inzwischen der Teig weiterverarbeitet. Pelin Yigit zeigt uns den „Daumentrick“, mit dem sie geschickt den Teig zu einer Kugel knetet, bevor sie zu einem kleinen Fladen ausgerollt wird. Als die Produktion hakt, weil die Grillgeräte belegt sind, weicht man kurzentschlossen auf die Backöfen im Erdgeschoss aus. Die Süßspeisen sind schliesslich fertig und die Zeit drängt, das Büfett muss aufgebaut werden.

Besucherrekord

Inzwischen sind rund 100 Menschen in der OT – Besucherrekord! Auch die Bandmitglieder von Babylon Tamam legen nach zwei Stunden Musikprogramm, unterbrochen nur von einer kollektiven Tanzeinlage, die Instrumente zur Seite und nehmen an den langen Tafeln Platz Irgendjemand hatte in einer Spielpause ein türkisches Lied laut laufen lassen, woraufhin sich alle an den kleinen Fingern – ha, dem Klenkes! – unterhaken und den Halay, einen Volkstanz aus dem Mittelmeerraum tanzen. Punkt 18 Uhr stehen lange Schlangen am Büfett, bei dem sich die Tische unter den vielen Leckereien biegen, beim Essen ist es dann mucksmäuschen still.

Natürlich ist auch hier nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen – ein paar Jungs sticheln, hier ist es harmlos, „draußen“ würde es wahrscheinlich eskalieren. Damit die Veranstaltung keine Einbahnstraße wird, bei der die einen arbeiten und die anderen sich bedienen lassen, trommeln Michael Grein und Pelin Yigit zum Schluss noch mal alle zum Aufräumen zusammen und alle packen mit an, auch die coolen Jungs. Nach einer kleinen Pause geht es im Mai weiter mit „Eilendorf kocht…“.

Das Projekt

„Eilendorf kocht…“ ist ein gemeinsames Projekt von Türöffner e.V., dem Eilendorfer Bündnis für Integration, der OT Eilendorf, der Versöhnungskirche Eilendorf sowie dem städtischen Quartiermanagement Eilendorf – Schwerpunkt Flüchtlingsintegration. Klingt kompliziert, funktioniert aber, da es um freiwilliges Engagement geht – man kann mitmachen, muss aber nicht.

 

// Belinda Petri

 

OT Birkstraße

Aachen-Eilendorf

http://eilendorf.org/

 

>>> Der Artikel erschien zuerst im KLENKES 4/2018

 

Fotos: Belinda Petri

 

 

 

 

 

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