Seit 1890 werden in Aachen die bunten Nougat-Rhomben hergestellt, seit 1930 unter dem Namen Dresse. Heute leitet Inhaber Martin Dresse gemeinsam mit seiner Frau die Geschäfte.

In unserer Reihe FamilienBande besucht Klenkes-Autor Sebastian Dreher Aachener Familienunternehmen und lässt sich ihre Geschichten erzählen – von Erfolgen, Niederlagen, geheimen Wünschen und ihrem Stellenwert in der Stadt.

„Ich bin von uns drei Kindern der einzige, der ins elterliche Geschäft eingestiegen ist, meine Geschwister sind andere berufliche Wege gegangen. Ich wusste schon früh, dass Nougat meine Passion ist.

Nach der mittleren Reife habe ich bei Lindt & Sprüngli eine Ausbildung zur Fachkraft für Süßwarentechnik absolviert. Mit dem Abschluss in der Tasche bin ich für einige Zeit nach Südfrankreich gegangen: In Aix-en-Provence konnte ich bei einem Original-Chocolatier lernen. Das war eine aufregende und lehrreiche Zeit – eine gute Vorbereitung auf meine Aufgaben in Aachen.
Auch wenn ich erst mit etwa 20 Jahren richtig in den Betrieb meiner Eltern eingestiegen bin, habe ich doch seit Kindesbeinen die Arbeitsabläufe in unserer Manufaktur verfolgt.

Man kann sich die Herstellung von Nougat etwa so vorstellen: Die erwärmte, sehr zähflüssige Nougatmasse – die Rezeptur kennen neben mir nur meine Frau und eine weitere Person – wird auf einen beheizten Tisch geschüttet und sorgfältig auf die richtige Dicke ausgerollt. Dann wird der Teig in Rhomben geschnitten. Bevor die einzelnen Stücke mit Schokolade überzogen werden können, müssen sie voneinander getrennt werden – echte Handarbeit also.

Oft bin ich nach der Schule zu meinem Vater ins Geschäft gegangen, um kleinere Arbeiten zu erledigen, Verpacken, Schokolade einschmelzen oder so etwas. Mit 14 oder 15 Jahren durfte ich schon die geschmolzene Schokolade aus dem 200 Kilogramm-Bottich in kleinere Gefäße schütten.

Ich erinnere mich an einen – im Nachhinein betrachtet – lustigen Zwischenfall: Jemand hatte das 300-Kilo-Fass mit dem Glukosesirup nach Gebrauch nicht wieder richtig zugeschraubt. Als wir wieder in die Werkshalle kamen, war der Raum eine gute Handbreit vollgelaufen. Und natürlich war die Masse hart geworden – eine unglaubliche Sauerei. Wir mussten mit Spachteln den Boden freikratzen und danach mächtig schrubben.

Ein schöner Nebeneffekt ist, wenn die Eltern Zuckerbäcker sind: Man kann an seine Freunde immer Süßigkeiten verteilen. Wenn man irgendwo eingeladen ist, wenn man auf Klassenfahrt fährt – oder auch einfach nur so.

Die Arbeit in unserer Nougat-Manufaktur hat mir immer Spaß gemacht. Und als ich 2003 die Firma von meinem Vater übernommen habe, konnte ich erstmalig eigene Ideen umsetzen, etwa unseren weichen Nougat. Was mich sehr freut: Meine eigenen Kinder helfen auch oft und gerne mit, vor allem an unserem Stand auf dem Aachener Weihnachtsmarkt haben sie immer viel Spaß. Wer weiß: Vielleicht übernimmt später einer von ihnen das Geschäft.“ \

Dresse Nougat

Vaalser Straße 10

52064 Aachen

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