Michael Nobis hatte nie Zweifel, ins familieneigene Bäckerunternehmen einzusteigen. Seit 1993 gehört er zur Geschäftsführung von Nobis Printen.

In unserer Reihe FamilienBande besucht Klenkes-Autor Sebastian Dreher Aachener Familienunternehmen und lässt sich ihre Geschichten erzählen – von Erfolgen, Niederlagen, geheimen Wünschen und ihrem Stellenwert in der Stadt.  

„Ich habe in der dritten Klasse einen Aufsatz geschrieben mit dem Titel ,Was will ich einmal werden?‘. Dort beschreibe ich relativ zutreffend, was ich heute mache.

Wir wohnten damals in unserem Stammhaus an der Pontstraße, im Erdgeschoss waren Verkaufsraum, Backstube und ein Büro. Nach der Schule haben wir Kinder dort viel gespielt, beim Backen zugeschaut oder die Kundschaft beobachtet. Wenn etwa der Steuerberater kam, haben wir uns unter dem Schreibtisch meines Vaters versteckt und gelauscht. Je nach Alter und Fähigkeit hat jedes Kind mitgeholfen. Gerade in der Vorweihnachtszeit wurde jede Hand gebraucht. Ich habe besonders gerne die Siegel auf die Verpackungen geklebt oder die Mandeln auf die Printen gedrückt. Mit sechs oder sieben bin ich mit den Fahrern auf Tour gegangen und habe Filialen beliefert. Irgendwann konnte der Fahrer im Auto sitzen bleiben, während ich Waren verteilte.

An zwei Stationen kann ich mich besonders gut erinnern. Das damalige Kinderheim Johannes-Höver-Haus am Lousberg hat meine Familie jahrzehntelang beliefert. Das Haus hatte eine bewegte Geschichte, zum Beispiel hatten die Ordensbrüder nach dem Krieg – als das Brot rationiert war – für Nobis und andere Bäckereien Mehlsäcke vor den Amerikanern versteckt. Ich fand es immer sehr spannend dort. Auch die Obdachlosenspeisung in der Elisabethstraße hat von uns kostenloses Brot bekommen.

Da für mich immer klar war, dass ich ins Geschäft einsteigen will, bin ich nach der der Realschule im eigenen Betrieb in die Bäckerlehre gegangen und habe im direkten Anschluss noch den Betriebswirt im Handwerk und die Meisterausbildung angeschlossen. Mit 22 Jahren war ich Meister und ausgebildeter Betriebswirt im Handwerk. Das war im wahrsten Sinn eine tolle Zeit, nicht zuletzt weil ich auch noch Prinz Karneval geworden bin.
So einen richtigen Fernurlaub gab es bei uns nicht.

Wir hatten ein Ferienhaus in der Nähe des Rursees, dahin sind wir Kinder in den Ferien gefahren. Meine Eltern haben weitergearbeitet. Weil dort ganz viele Nachbarn und Freunde auch Ferienhäuser hatten, waren es Sommer wie im Ferienlager. Es gab den See, ein Freibad, Bolzplätze – uns hat es an nichts gefehlt. Ich selbst bin das erste Mal mit 17 richtig weggefahren: nach Spanien.
Wenn man in einer Unternehmerfamilie aufwächst, geht es natürlich auch darum, wer das Geschäft irgendwann weiterführen wird. Meine Kinder zeigen da deutliches Interesse. Sie sind jetzt noch im Studium, aber ich denke, dass sie sich die Gelegenheit, im Unternehmen mitzumischen, nicht entgehen lassen.“  \

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