Die digitale Welt ist fester Bestandteil der Aachener Stadtbibliothek.

Von Richard Mariaux

Die Stadtbibliothek. Vorschnell gedacht: ein stiller Ort der Ausleihe mit hunderten Metern Regale voller Bücher. Alles richtig, aber die Stadtbibliothek 2.0 ist auch ein Ort der Kommunikation, der digitalen Welt, ein Wissensarchiv aus Papier und Audio, ein Ort für Gaming, Virtual Reality und mit einem Online-Katalog für alle Aachener Bürger (mit Bibliotheksausweis).

Wer jahrelang seinen Fuß nicht mehr in die Stadtbibliothek in der Couvenstraße hinter dem Bushof gesetzt hat, muss sich auf viele neue Eindrücke gefasst machen. Auch wenn ab 2020 eine Umgestaltung im Thekenbereich des 1980 eröffneten, wirtschaftlich dem Kulturbetrieb der Stadt unterstellten Hauses anliegt, ist es bereits jetzt in seiner ganzen Vielfalt ein anderer Ort, als noch vor wenigen Jahren. Nach der Umgestaltung kann dann beispielsweise der Lesestoff von eigener Hand ein- und ausgescannt werden.

Wilma Franzen, seit 2008 zuständig für den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, führt über vier Etagen durchs Haus und weist auf die vielen Bereiche und Untersparten hin. Die Organisation des Publikumsbereichs auf einer fast kaufhausgroßen Grundfläche händeln an jedem Tag in der Regel 20 bis 30 Mitarbeiter – von der Ausleihe am Eingang bis zu den versierten BibliothekarInnen an den verschiedenen Beratungsplätzen im Haus. Dass ein Buch mehr bietet als nur den klassischen Roman, ist klar – es gibt Sachbücher für alle Wissensgebiete, Kinder- und Jugendliteratur, einfach geschriebene Bücher für die Deutschlernenden, seien es Flüchtlinge oder Menschen mit Leseschwäche. Dazu eine Vielzahl an Zeitungen und Zeitschriften – die sechs großen deutschen Tageszeitungen aus Papier und digital im Pressreader nationale und internationale Zeitungen und Magazine auf diversen Bildschirmen abrufbar.

Der aktuell am schönsten gestaltete Raum, die Youth Factory, mit einem farbigen Graffitti an einer Wand, bleibt der Jugend vorbehalten. Hier warten Romane und Comics in einer unter Mitarbeit der Jugendlichen konzipierten Aufstellung, die en vogue ist, auf die Nutzer. Die Abenteuer von Karl May wird man hier nicht mehr finden. Und wer gerade keinen Bock zum Lesen hat, der fläzt sich in Sitzsäcke zum gemeinsamen FIFA-Gaming am Bildschirm, spielt eine Runde am Billardtisch oder kann ab dem 16. Lebensjahr andere und neue Welten mit der Anfang nächsten Jahres dann im Haus verfügbaren VR-Brille erkunden.

330.000 Besucher hat die Stadtbibliothek jährlich. Nach wie vor ist der Sachbuchbereich stark ausgeliehen, aber am stärksten in der Ausleihe ist die Kinder- und Jugendliteratur. Aber das E-Book legt zu, kann ganz problemlos über die Onleihe von zu Hause runtergeladen werden. Für alle Nutzer bis 18 Jahre ist alles kostenlos. Voraussetzung bleibt stets der Bibliotheksausweis, der im Haus auch regelt, was man an welchen Bildschirmen machen darf. Für Erwachsene sind die Einstiegshürden auch nicht höher. Die Anmeldegebühr für den Ausweis der zwei Jahre gilt, beträgt 2,50 Euro. Die Preise zur Ausleihe sind moderat.  

Jeden Tag findet im Haus eine kostenlose Gesprächsgruppe für Zuwanderer und Flüchtlinge statt. Ein absolutes Erfolgserlebnis, wie Wilma Franzen erläutert. Mit großem Respekt verfolgt sie die schnellen Fortschritte, die die zumeist jungen Leute mit der deutschen Sprache machen. Geleitet werden die Gesprächsgruppen von geschulten Ehrenamtlichen.  

Reichhaltig ist auch das übers Jahr verteilte Veranstaltungsangebot der Stadtbibliothek. Es gibt neben regelmäßigen Märchen- und Vorlesestunden zusätzliche Veranstaltungen am Welttag des Buches und am „Bundesweiten Vorlesetag“. In der „Bundesweiten Bibliothekswoche“ im Oktober kommt seit vielen Jahren der ARD-Literaturkritiker Denis Scheck in die Stadtbibliothek und alle zwei Jahre findet die Nacht der Bibliotheken statt. Auch an den „Aachener Krimitagen“, den „Jüdischen Kulturtagen“ (alle vier Jahre) sowie der im April 2019 in Aachen gastierenden „Criminale“ ist die Stadtbibliothek beteiligt. Ein 123 Personen starker Förderverein kümmert sich mit um die Finanzierung der notwendigen Öffentlichkeitsarbeit.

Mit der Stadtteilbibliothek Depot Talstraße, der Stadtteilbibliothek in Haaren, dem Bücherbus Fabian und vier ehrenamtlich geleiteten Nebenstellen in anderen Aachener Stadtteilen ist die Stadtbibliothek auch flächenabdeckend gut in Aachen vertreten.  \


Hilfestellung für Schüler

Auch für SchülerInnen bietet die Stadtbibliothek spezielle Hilfestellungen an: Literatur-Recherchen für Oberstufenschüler, die an ihrer Facharbeit schreiben oder die Lange Lern-Nacht in der Bibliothek.  \