Jahrestage, Neueröffnungen, neue Aachener und hoher Besuch: Das was das Jahr 2018 in Aachen und Umgebung.


Von Verena Bodenstein und Lillith Bartczak

Januar
Das Jahr 2018 startete mit einem ganz persönlichen Großereignis: Unser Umzug ins Medienhaus. Nach über 40 Jahren haben wir im Januar unsere heiligen Hallen in der Oranienstraße verlassen und uns ein paar Straßen weiter im Medienhaus in ein neues Abenteuer gestürzt. Apropos 40 Jahre – Das war auch für eine weitere Aachener Institution, nämlich für den Domkeller, gleich zu Beginn des neuen Jahres das Stichwort. Im Januar wurde trotz kalter Temperaturen und großer Baustelle auf dem ganzen Hof Jubiläum gefeiert und auch die beliebten „Hofkonzerte“ konnten – kurzerhand in „Fensterkonzerte“ umbenannt – im Sommer rund um den Domkeller für Stimmung sorgen. Auf die nächsten 40 Jahre!

Februar
Neben Jahrestagen und Jubiläen gab es in Aachen in diesem Jahr auch viele Geburten. Beispiel: die Gravieranstalt in der Ottostraße. Dieser neue Raum für Kultur und Musik öffnete im Frühjahr seine Türen. Wir haben kurz vor der Eröffnung mal auf der Baustelle vorbeigeschaut und uns einen ersten Eindruck verschafft. Und wie läuft’s inzwischen? Viele Ausstellungen, Konzerte und sonstige Aktionen rund um die Kunstszene in Aachen haben in den letzten Monaten in der Gravieranstalt stattgefunden. Auch der Terminkalender für nächstes Jahr ist bereits gut gefüllt. Wir sind gespannt.

März
Anfang März verkündete die Stadt Aachen große Neuigkeiten: Ein neuer Generalmusikdirektor war gefunden. Aus 80 Bewerbern erhielt der Brite Christopher Ward den Zuschlag. Ihm wurden nach der Verkündung dann noch einige Monate für die Wohnungssuche gewährt – das ist in Aachen ja auch nicht so einfach – bevor es pünktlich zum 1. August losging. Seinen Einstand auf der Bühne feierte er dann im September mit einer Verdi-Oper. Sehr gelungen, lobte die Kritik. Im November lud er zur ersten Ausgabe seiner Konzertreihe „Im -Depot: classic lounge – Radical Vibes“. Im März geht’s damit weiter. Scheint so, als hätte Christopher Ward sich schon sehr gut eingelebt.

April
Die Aachener Barockfabrik hat in ihrer fast 200-jährigen Geschichte schon so einige turbulente Zeiten durchgemacht. 2017/18 war es dann wieder Zeit für eine Veränderung: Aus dem Zentrum für Kinder- und Jugendkultur wurde das Haus der kulturellen Vielfalt, Kooperation und Bildung. Seit April 2018 ist die Barockfabrik nun Heimat der Theaterschule Aachen, der Stadtpuppenbühne Öcher Schängche, des EuregioKultur e.V. und weiterer Kultureinrichtungen. Im Juni folgte die offizielle Einweihung. Turbulente Zeiten – nämlich die 68er – war übrigens auch das Thema der Ausstellung „Flashes of the Future“, die im April im Ludwig Forum eröffnet wurde. Vor wenigen Wochen gab’s die Auszeichnung „Ausstellung des Jahres“ dafür. Zu Recht!

Mai
Anfang Mai war Aachen in Aufruhr, denn es stand großer Besuch ins Haus: Der französische Präsident Emmanuel Macron war in der Stadt, um den Karlspreis entgegenzunehmen. Die einen freuten sich und feierten Europa und Macron rund um das Rathaus. Aber auch gegnerische Stimmen meldeten sich zu Wort. Sie kritisierten vor allem Frankreichs tragende Rolle beim Fortbestehen der grenznahen Atomkraftwerke Tihange/Doel und nutzten die große Aufmerksamkeit um gegen Atomkraft zu demonstrieren. Schön, dass alles friedlich blieb, aber Pro-Europa und Anti-Atomkraft schließen sich ja auch nicht aus.

Juni
Pünktlich zur Weltmeisterschaft und zum neu etablierten Ableger des Kimiko-Festivals „Isle of Campus“ auf dem Campus Melaten wurde es heiß in Deutschland. Perfektes Public-Viewing-Wetter. Doch leider spielte die Leistung der deutschen Mannschaft einfach nicht mit und nach wenigen Spielen war’s aus mit dem Traum vom fünften Weiltmeistertitel. Wenigstens war der Auftakt des „Kimiko-Festivals“ auf dem Unigelände erfolgreich und lockte über 3.000 Besucher an. Und auch das Freibad Hangeweiher, das Anfang Mai nach umfangreichen Renovierungen wieder den Betrieb aufnahm, hatte sich das perfekte Jahr für die Neueröffnung ausgesucht. Am Ende des Sommers stand fest: Besucherrekord bei Rekordtemperaturen.

Juli
Auch im Jahr 2018 wurde gegen den Reaktor in Tihange demonstriert. Unter dem Motto „Wir fahren solange bis der Schrottreaktor abgeschaltet wird“ fuhren die Teilnehmer der Fahrraddemo „Tour Becquerel“ aus Vaals, Herzogenrath, Baesweiler, der Eifel und Eupen mit Anti-Tihange-Warnwesten in Richtung Aachener Innenstadt.

August
Als wäre Tihange nicht schon Umweltaufreger Nummer Eins für die Aachener, rückte dieses Jahr auch noch der Hambacher Forst in den Vordergrund. RWE kündigte an, den Wald in Hambach für den Braunkohleabbau zu roden. Aktivisten und Menschen aus der Region demonstrierten und setzten sich für den Hambacher Forst ein. Der schon seit Jahren von Aktivisten besetzte Wald wurde zum Symbol für eine positive Klimapolitik, gegen die Braunkohleindustrie.
Die „Kurpark Classix“ stellten sich mal wieder als Besuchermagnet heraus. Highlight: das Clueso-Konzert. Der gebürtige Erfurter spielte viele seiner Hits und trotz Sitztribüne standen alle Besucher auf und feierten ausgelassen seine Musik.

September
Die Digitalisierung kommt! So hatte es zumindest den Anschein. An jeder Ecke wurden die Möglichkeiten zur Digitalisierung besprochen. Mit „Aachen 2025“ erhielt die Aachener Region eine Expo, die allen Altersklassen die neueste Technologie zugänglich machte. Egal, ob es um den neuen BMW Vision Next 100 ging, den Telenotarzt zur Unterstützung des Rettungsdienstes oder Digitalisierungsmöglichkeiten beim Strom- und Wasserzähler, die Technik macht auch vor Aachen nicht halt.

Oktober
Der Hambacher Forst wühlte auf. Doch am 6. Oktober feierten Aktivisten und Menschen der Umgebung friedlich und ausgelassen den Rodungsstopp. Ein echter Erfolg für alle Braunkohlegegner. Mit dabei war auch die Band Revolverheld, die am Rand des Geländes für gute Musik und Stimmung sorgte. Dennoch: So friedlich der Tag auch verlief, gab es immer wieder schreckliche Meldungen über Gewaltausbrüche, Eskalationen und andere tragische Zwischenfälle.

November
Schlimm steht es um den Aachener Einzelhandel. Dahmengraben, Adalbertstraße und der Bereich um den Büchel … überall schlägt der Leerstand zu. Noch wenige Geschäfte kämpfen gegen die versiegende Vielfalt an und trotzen den städtischen Entwicklungen mit all ihren Leerständen.

Dezember
Der Buchhandel in Aachen hat es ebenfalls nicht leicht. Insgesamt werden weniger Bücher gekauft. Wir sprachen mit einigen Aachener Experten, Buchhändlern und Kunden und können beruhigt sagen: Vielen Aachenern dient das Buch zum Glück immer noch zur Entschleunigung des Alltagslebens. Und auf Bücher wird auch in Zukunft nicht verzichtet werden. \