Ein Schulprojekt verändert eine Stadt, denn 49 Jugendliche bringen in Herzogenrath das dreitägige „realize-festival“ auf den Weg.

Jede freie Minute hat das „realize“-Team in den vergangenen acht Monaten genutzt, um ein großes Projekt auf die Beine zu stellen, das es so noch nicht gegeben hat: Das „realize-festival“ bietet drei Tage lang die ganze Bandbreite der Kultur an den unterschiedlichen Orten in Herzogenrath-Mitte, Kohlscheid und Merkstein. Vom 8. bis 10. Juni gibt es Musik und Kunst, Theater und Tanz, Lesungen und Ausstellungen, diverse Sportevents, einen Kinofilm unter freiem Himmel, Politik, Comedy und jede Menge Unterhaltung für Groß und Klein.

Insgesamt 1.000 Akteure sind daran beteiligt – die jüngste ist anderthalb und tanzt mit anderen Kindern auf der Bühne, die älteste ist 96 Jahre alt und strickt „Kleider“ für die Bäume in der Stadt.

Miteinander im Vordergrund
„Die Stadt wird richtig bunt“, verspricht Projektleiterin und Lehrerin Nicole Jacobi. „Wir kommen jetzt langsam in die schöne Phase, weg vom Schreibtisch“, lacht sie. Ihre 49 Oberstufenschüler und -schülerinnen aus der Q1 haben das neue Festival im Rahmen eines Projektkurses an der Europaschule Herzogenrath geplant und erarbeitet – von den ersten Ideen und Visionen bis hin zur Ansprache von Sponsoren und Kooperationspartnern. Auch Projektkalkulation und das Aufstellen eines Sicherheitskonzepts gehörten dazu.

„Wir mussten einige Hürden überwinden“, sagt Jacobi, die vor zehn Jahren als Theaterpädagogin an die Europaschule kam und dort Projektmanagement, Literatur sowie Darstellen und Gestalten unterrichtet. Von Anfang an sei klar gewesen: „Das hier wird mehr als ein Schulprojekt.“ Das ambitionierte Ziel hat Jacobi ihren Schülern vorgegeben: allen Menschen das kreative Mitgestalten von Kultur zu ermöglichen und das soziale Miteinander in den drei Stadtteilen zu fördern.

„Wir haben alle Bürger der Stadt Herzogenrath dazu eingeladen, sich aktiv am Projekt zu beteiligen“, so die 44-Jährige. „Die Resonanz war großartig. Die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen fühlen sich verantwortlich für die Gestaltung ihrer Lebenswelt in Herzogenrath“, erzählt sie. „Wir haben kein einziges Gespräch geführt, bei dem unser Gegenüber nicht begeistert war.“

Herausgekommen ist nicht nur ein generationenübergreifendes Programm mit rund 50 Veranstaltungen, sondern auch ein neues, tragfähiges kulturelles und soziales Netzwerk. „Das realize-Projekt hat viele Partnerschaften initiiert und Institutionen und Kulturschaffende in unserer Region miteinander vernetzt“, erklärt Jacobi und nennt ein schönes Beispiel: „Es hat sich ein Chor aus 450 Kindern der sieben Herzogenrather Grundschulen gebildet. Sie eröffnen das Festival mit einem einstündigen Konzert.“

Auch die Stadtteile seien näher zusammengerückt: „Der Gewerbeverein Herzogenrath und der Werbering Kohlscheid sitzen bei uns an einem Tisch.“ Trotzdem sei das natürlich ein langer Prozess, den man mit einem kulturellen, partizipativen Projekt aber durchaus in Gang setzen könne. „Kultur verbindet“, sagt die gelernte Theaterpädagogin. Eine zweite Auflage des Festivals ist für 2020 angedacht. Veranstaltet wird das „realize-festival“ mit Unterstützung der Stadt Herzogenrath.

Dass der Eintritt zu den Veranstaltungen – abgesehen vom Open Air-Kino – frei ist, ist den Sponsoren zu verdanken, die die Schüler für das Projekt gewinnen konnten. Menschen zu überzeugen, an etwas dranzubleiben und für etwas einzustehen – das hätten die Jugen­dlichen bei der Projektarbeit gelernt. „Sie haben festgestellt, dass sie ein Feuer in sich haben, dass sie für etwas brennen können“, erzählt Jacobi. Ihre Botschaft: Jeder kann sich einbringen und etwas verändern.  \an

8.-10.6.
„realize-festival“
diverse Orte und Uhrzeiten, ­Herzogenrath
www.realize-festival.de