Besser als Fernsehen!

Drei Redakteurinnen. Jede Menge Theaterstücke. Ein Rückblick.

Von Kira Wirtz, Katja Laska und Christina Rinkens

Ein Jahr Theater in Aachen: Da gab es schrille Töne, klare Linien, Gänsehaut-Momente und offene Münder. Mal wollten wir uns bereits nach zehn ­Minuten für eine Standing Ovation bereit machen, mal entdeckten wir abseits der Bühne viel interessante Details. Hier ­unsere – wirklich äußerst subjektiven – ­Erinnerungen!

Bevor wir mit dem Texten des Rückblicks begonnen haben, wurde erst mal eine Liste mit allen Theaterstücken gemacht, die wir über das Jahr besucht haben. Es waren an die 50! Dann wurden aus der Erinnerung heraus Punkte vergeben, alte Bühnenkritiken rausgesucht und Besonderheiten der Produktion notiert.

Fazit: Nicht die Stücke, die in unserer Wertung die meisten Punkte erzielt haben, sondern die, die mit kleinen Details hängengeblieben sind, waren unsere ganz persönlichen Highlights, die wir Ihnen aus diesem Grunde an dieser Stelle lieber nahebringen Anfang 2016 hinterließ „Warten auf Godot“ für lange Zeit Eindruck bei uns.

Kira hat das biomechanische Körpertraining, an dem sie mit dem Regisseur Christian von Treskov und ein paar Schauspielern im Rahmen der Proben teilnehmen durfte, jede Menge Muskelkater und ein viel besseres Verständnis für die harte körperliche Arbeit der Schauspieler beschert.

Christina ist seit „Warten auf Godot“ bekennender Fan von Schauspieler Philipp Manuel Rothkopf und hätte niemand anderem den Kurt-Sieder-Preis, den Rothkopf im Juni verliehen bekam, mehr gegönnt. Können Sie sich vorstellen, wie betroffen sie war, als sie erfuhr, dass Rothkopf bei der Premiere der „Physiker“ im Oktober wegen Krankheit ausfiel?

Mit der Premiere von „Wolke Nr. 7“ – eine Produktion des Theater K im Suermondt-Ludwig-Museum – im April hat Annette Schmidt, die an diesem Abend mit rotem, funkelndem Pailettenkleid die Stufen der Eingangshalle ­hinauf und hinab stieg und dabei mit eindrucksvoller Stimme und in Begleitung von Sasan Azodi jede Menge Liebeslieder zum Besten gab, Kira derart beeindruckt, dass sie sich noch am gleichen Abend ein paar Songs im Internet besorgte und bis heute im Auto hört.

Ein absolutes musikalisches Highlight (und auch sonst punktemäßig ganz weit vorne) war das Musical „Fiddler on the Roof“ des Theater Aachen. Begeisterte in der letzten Spielzeit das Ensemble bereits mit „West Side Story“, lässt sich beim Fiddler von einem wahren Begeisterungssturm sprechen. Hier war es die kombinierte Masse aus Chören, Schauspielern, Sängern und Tänzern, die überzeugte und der vollkommen begeisterten Kira am Ende des Theaterabends Tränen in die Augen trieb.

In Tränen brach Katja, die „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ im Das Da Theater sah, zwar nicht aus, allerdings hat sie nach wie vor Mühe den Mund vor Staunen zu schließen, wenn sie an die Leistung von Neuzugang Marc-Andree Bartel denkt. Völlig alleine hat er es geschafft das Publikum 90 Minuten lang in seinen Bann zu ziehen. Respekt!

Für große Diskussionen im Vorfeld sorgte im September „Der Gott des Gemetzels“ am Grenzlandtheater. „Das Stück kann niemals die Erwartungen des Filmes erfüllen!“, hieß es. „Keine kann die Rolle so gut spielen wie Kate Winslet!“ „Ich fand ja Christoph Walz noch besser …“ „Quatsch, Jodie Foster!“ Es ist eben immer schwer, wenn Hollywood schneller ist als Aachen. Aber: „Der Gott des Gemetzels“ ist ein super Stück. Vor allem für das Theater. Und das hat das Grenzlandtheater bewiesen.

Für nachhaltiges Erstaunen sorgten die „Känguru-Chroniken“ im Mörgens. Und das aus vielerlei Gründen. Während Katja und Christina im Foyer des Mörgens  noch genüsslich ein Bier tranken, begann das Stück ganz ohne Vorwarnung bereits genau dort. Gut, dass sie sich schnell von der – durch und durch gelungenen – Überraschung erholten, indem sie sich das erste Mal seit langer langer Zeit im Zuschauerraum des Mörgens anlehnen konnten. Denn zur absoluten Überraschung gibt es seitdem wieder Stühle mit Lehnen. Gut, dass sie bereits saßen, denn schnell ging es weiter mit einem Känguru, dass wider Erwartens weiblich war und einem Kleinkünstler, der nackig über die Bühne lief.  \

Liebe ­Leser ganz ehrlich, wir wollen Ihnen nicht vorschreiben, welche Stücke sie sich ansehen sollen. Wir wollen Ihnen nur sagen: Jeder Gang ins Theater lohnt sich. Also bitte, runter vom Sofa, Fernseher ausschalten und rein ins Theater. Wir garantieren, es gibt einiges zu entdecken. Und immer dran denken: Da stehen echte Menschen, die ihr Bestes geben. Und: Geschmäcker sind verschieden.

Herzlichst, Kira Wirtz, Katja Laska und Christina Rinkens