Lynn Borok-Melton kam mit ihrem Mann aus Kalifornien nach Aachen und ist langjähriges Mitglied im Opernchor des Theater Aachen. Bevor sie im Sommer in Rente geht, singt sie im Juni unter anderem in "Maria Stuarda".

Was machst Du am Theater Aachen?
Ich bin Opernchorsängerin. 

Am Theater Aachen seit …
… kein Scherz – seit dem 1. April 1985.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei Dir aus?
Viel singen. Es gibt meistens zwei Phasen einer Produktion. In der ruhigeren Zeit üben wir ab morgens alle zusammen mit der Chordirektorin die neue Musik für das neue Stück. Manchmal gibt es abends noch eine Aufführung. Heftig wird es, wenn das eingeübte Stück auch szenisch umgesetzt und geprobt wird, dann geht es nämlich an die Feinheiten. Da muss man manchmal schon Geduld mitbringen.

Was fasziniert Dich am Theater?
Die bessere Frage wäre: Was ist nicht faszinierend? (lacht) Es ist einfach eine tolle Möglichkeit, Gefühle zu vermitteln, Geschichten zu erzählen, das Publikum zu berühren und auch zum Denken anzuregen.

Welche Voraussetzungen muss man für Deinen Job mitbringen?
Eine schöne Stimme und ein bisschen ­Talent natürlich, aber auch ein Studium, denn man braucht einfach ein paar grundlegende musikalische Kenntnisse, so auch in Musikgeschichte und -theorie. Literatur und historische Ereignisse sollten einem nicht fremd sein. 

Wenn Du nicht am Theater wärest, wo wärest Du dann?
Vielleicht immer noch in einer Bank in meiner Heimat Kalifornien, in der ich einmal gearbeitet habe. Während meines Studiums an der UCLA habe ich in einem Krankenhaus hospitiert, das Musiktherapie als Behandlungmethode eingesetzt hat. Das war unglaublich. Spätestens da war klar: Ich möchte Musik in meinem Leben und dass ich so viele Jahre damit mein Geld verdienen durfte, ist umso schöner.

Welches ist Dein wichtigstes ­Arbeitsutensil?
Unser Körper ist unser Instrument. Wir müssen ihn pflegen, klar gehört dazu eine technische Ausbildung, aber auch Körper, Seele und Geist müssen im Einklang sein, sonst funktioniert die Stimme nicht richtig. Ein Klavier stellt man ja auch nicht auf die Seite und versucht dann, darauf zu spielen.

Du hast einen Theaterwunsch frei – der wäre?
Da kommt die Feministin der zweiten ­Welle in mir durch. Ich wünsche mir viel mehr Frauen in unserem Beruf und gleiches Gehalt. Außerdem flachere Hirarchien, mehr In-Haus-Kommunikation und Transparenz.  \kla