Das Ludwig Forum für Internationale Kunst eröffnet im September die Ausstellung "Kunst x Kuba".

Von Kira Wirtz

Mal wieder ist es der ungeheuren ­Sammelleidenschaft für Kunst – quer durch Welt und Gattungen – des Ehepaares Ludwig zu verdanken, dass es im Ludwig Forum für Internationale Kunst mal wieder eine besondere Ausstellung zu sehen gibt. ­Dieses Mal im Fokus: Kuba. Mit Werken von Künstler von 1989 bis heute.

Denkt man an Kuba, denkt man automatisch an bunte Häuser vor dem türkisblauen Karibischen Meer, riesige Zigarren, alte Autos, jede Menge Rum und ewige Revolutionshelden wie Che Guevara und Fidel Castro. Aus Musiklokalen erklingen in Gedanken Cha-Cha-Cha- und Salsa-Rhythmen, die Kubaner tänzeln eher über die Straße als dass sie gehen und es liegt nicht nur Party in der Luft, sondern das Lächeln auf den Gesichtern.

Auf den zweiten Blick ändert sich das verquere Denkbild und zur kubanischen Lebensfreude gesellt sich die Krise, Armut und der Wunsch nach Freiheit. Und da es fast kein anderes Land gibt, das so viele unterschiedliche Klischees vereint, versucht die Ausstellung „Kunst x Kuba“ durch die Darstellung von Werken der letzten 30 Jahre, die Kuba so maßgeblich geprägt haben, mit diesen Klischees aufzuräumen und auf die tatsächlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.  

Damals und heute
Es wird die größte Ausstellung des Jahres werden: 150 Kunstwerke von 72 Künstlern der letzten 28 Jahren werden im LuFo ausgestellt. Dafür werden in den großen Ausstellungshalle diagonale Wände eingezogen, um die Bandbreite und Masse der Kunst abzubilden. Es ist die bis dato größte Präsentation zeitgenössischer kubanischer Kunst in Deutschland.

Möglich macht das vor allem die Sammlung von Peter und Irene Ludwig, die vorwiegend in den 80er- und 90er-Jahren entstand – in einer Zeit, in der Kuba versuchte, die Krise zu überwinden. 1990 zeigte die Kunsthalle Düsseldorf die Ausstellung „Kuba o.k. – Aktuelle Kunst aus Kuba“. Das Aachener Sammlerpaar kaufte einen Großteil der ausgestellten Arbeiten, sammelte in den folgenden Jahren noch weiter kubanische Kunst.

Die ursprüngliche Sammlung wird jetzt einer Revision unterzogen: Wie hat sich die Rezeption der Bilder, Skulpturen und Installationen in den gut 25 Jahren seit ihrem Ankauf verändert? Gibt es künstlerische Themen, die heute noch relevant sind? Wurde die Kunst im Laufe der Zeit westlich geprägt? Und wie unterscheidet sich die Kunst von dort  lebenden Kubanern von der Kunst emigrierter Kubaner.

Die später erworbenen Arbeiten ermöglichen nicht nur einen Zwischenstand hinsichtlich der  künstlerischen Entwicklung Kubas, sondern dienen auch als Bindeglied der neu hinzukommenden aktuellen Werke. Zusammen mit dem kubanischen Künstler, Kunsthistoriker und Kurator Tonel hat  Museumsdirektor Dr. Andreas Beitin eine breite Sammlung zusammengestellt, die durch Tonels jahrelange Beobachtung unverfälschter nicht sein könnte.

Unbekannte Variable
Fragen nach dem Verhältnis von Kultur und Politik, Kunst und Markt, Globalisierung und Macht sollen so aufgeworfen werden und die Ausstellungsbesucher zum Diskurs anregen. Deshalb liest sich die Ausstellung auch nicht „Kunst mal Kuba“, sondern „Kunst x Kuba“. Das „x“ als das in der Mathematik gebräuchliche Synonym für eine unabhängige Variable. Denn es wird nicht nur Kunst aus Kuba ausgestellt, sondern – und das ist dem Kuratorenteam um Dr. Andreas Beitin besonders wichtig – es wird ein künstlerischer und kulturpolitischer Diskurs mit und um Kuba initiiert.

Im Raum steht daher auch die Idee im nächsten Jahr eine Konferenz in Havanna abzuhalten und so einen weiteren vertiefenden Dialog zwischen Kuba und Deutschland zu initiieren. Zum Winter hin wird auch eine dreisprachige Publikation von Beitin und Tonel erscheinen, in der Texte namenhafter Autoren aus dem Kunst- und Kulturbereich, der Soziologie und Geschichte enthalten sein werden. Das Team des LuFo ist sich sicher, dass das Thema Kuba künstlerisch und auch gesellschaftspolitisch aktueller ist denn je. Es ist die richtige Ausstellung zur richtigen Zeit. Kuba ist mehr als ein Urlaubsziel. Und mehr als ein Land in der Krise.

Oh, wie schön ist Kuba

Dr. Andreas Beitin flog im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung nach Kuba und ist fasziniert von Land und Leuten. Und auch Rick Takvorian, Veranstaltungsmanager des Kulturbetrieb der Stadt Aachen, den seine Arbeit vermutlich bereits mehrfach quer über den Globus geführt hat, findet für Kuba  – zumindest für die Kulturszene – nur positive Worte. Um das Lebensgefühl, die Lebensfreude und die ­Experimentierkunst, die beide dort vorfanden, kennenzulernen, wird am Eröffnungswochenende ein zweitägiges kubanisches Festival stattfinden, um „mit und nach der Kunst zu feiern“.

Bei „Kuba Xtra“ wird der Blick auf die aktuelle Musik- und Tanzszene der Insel gerichtet. Zwischendurch wird es immer wieder Führungen durch die Ausstellung geben, eine Kinderbetreuung inklusive Kreativprogramm sowie eine Auswahl landestypischer Gerichte und Snacks. Eine kubanische Party – falls es das Wetter zulässt im ­Innenhof des LuFo – soll den Samstagabend ausklingen lassen.  \

8.9.-18.2.
(Eröffnung 7.9., 19 Uhr)
„Kunst x Kuba“ – Zeitgenössische Positionen seit 1989
Ludwig Forum für Internationale Kunst

Das Fest
9.+10. September
Am Eröffnungs­wochenende veranstaltet das LuFo in Zusammenarbeit mit dem Veranstaltungsmanagement des Kulturbetriebs der Stadt Aachen „Kuba Xtra“.

Am Samstag ­startet das Programm um 15 Uhr, Sonntag um 17 Uhr. Der Eintritt für „Kuba Xtra“ ist nur der normale Museumspreis.  \